Gesundheit & Pflege

 Gesundheit ist das höchste Gut

Die Gesundheitsfürsorge für alle in gleicher Weise sicherzustellen, ist Aufgabe eines sozialen Gesundheitswesens. Grundlage dafür bleibt die paritätisch finanzierte Krankenversicherung. Wir werden uns auch weiterhin für stabile Krankenversicherungsbeiträge und eine enge Verzahnung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung einsetzen. Das Ziel der SPD bleibt die Einführung einer Bürgerversicherung im Gesundheitswesen, die alle Bürgerinnen und Bürger entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit absichert. Die Privatisierung von Krankenhäusern lehnen wir strikt ab. Entsprechende Tendenzen in Wilhelmshaven werden zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger von uns nicht mitgetragen.

Gemeindenahe Psychiatrie sichern

Wir setzen uns für eine Fortschreibung des Psychiatriekonzeptes einschließlich der Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein. Gerade im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es einen deutlich wachsenden Bedarf. Es gilt, neue Wohnformen und Arbeitsmöglichkeiten zu etablieren. Noch immer ist die volle Gleichstellung von psychisch Kranken mit körperlich Kranken nicht erreicht. Wir werden uns in diesem Zusammenhang dafür einsetzen, dass die Bettenkapazität in der Wilhelmshavener Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie erhöht wird, da die Klinik schon jetzt permanent zu 100 Prozent belegt ist. Zudem müssten junge und gut ausgebildete Fachkräfte für die Wilhelmshavener Klinik angeworben werden.

Öffentlichen Gesundheitsdienst reaktivieren

Die SPD wird mit ihrem Programm: »Kinder schützen – Kinder fördern« eine Reaktivierung des öffentlichen Gesundheitsdienstes vorantreiben. Sie wird über dieses Instrument zielgerichtete Vorsorgeuntersuchungen in Kindertagesstätten und Schulen anbieten. Gleiches gilt für die dringend notwendige Erhöhung von Impfungen im Sinne der Weltgesundheitsorganisation.
 

Selbsthilfegruppen stärken

Selbsthilfegruppen spielen in Niedersachsen und Wilhelmshaven eine immer größer werdende Rolle im Gesundheitswesen. Das zeigte sich erst jüngst im Gorch-Fock-Haus, in dem sich 26 Selbsthilfegruppen vorstellten. Hier nehmen betroffene Bürgerinnen und Bürger ihre Interessen wahr. Selbsthilfegruppen sind elementarer Bestandteil unserer lebendigen Stadt.

Sucht ist gesellschaftliche Realität

Der Gebrauch von illegalen und legalen Drogen ist ein häufig ignorierter Teil gesellschaftlicher Realität. Neben der notwendigen Aufklärung über gesundheitliche Folgen muss für die Betroffenen der Grundsatz »Hilfe vor Strafe« gelten. Entsprechend muss das Gesamtkonzept zur präventiven Drogen- und Suchtbekämpfung den aktuellen Entwicklungen angepasst werden. Einen Schwerpunkt legen wir dabei insbesondere auf die aktuelle Entwicklung bei Jugendlichen hinsichtlich des Konsums von Cannabis und Alkohol. Nach jahrelangen, vergeblichen Bemühungen konnte auch im Nichtraucherschutz in Deutschland ein Durchbruch erzielt und der Anschluss an europäische Standards gefunden werden. Diese Entwicklung muss konsequent weitergetrieben werden. Ziel muss es dabei sein, Bürgerinnen und Bürger nachhaltig vor den Folgen des unfreiwilligen Passivrauchens
zu schützen. Besonderes Augenmerk legen wir hier auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen
sowie auf die konsequente Einhaltung der Jugendschutzvorschriften. Die Abgeordneten der SPD
werden sich im Niedersächsischen Landtag dafür einsetzen, dass auch in Wilhelmshaven genügend
Räumlichkeiten und Mittel bereitgestellt werden, damit Hartdrogenabhängige entkriminalisiert und
nicht ausgegrenzt substituieren können (Methadonsubstitution).

Aidsgefahr ernst nehmen

Nach einer deutlichen Senkung der HIV-Erstdiagnosen in den 90er Jahren stagniert die Zahl in den letzten Jahren und nimmt auch in Deutschland regional unterschiedlich wieder zu. Diese Entwicklung muss gestoppt werden. Wir unterstützten die engagierte und flächendeckende Arbeit der Aidshilfen in Niedersachsen. Wir werden die Mittel für die Aids-Beratung erhöhen und die Aufklärungsarbeit in Schulen und Hochschulen verstärken sowie ein Präventionsprogramm für Risikogruppen in niedersächsischen Haftanstalten entwickeln.

Palliativ- und Hospizangebote ausbauen

Wir setzen uns für ein flächendeckendes Netz von Hospizangeboten ein. Viele Krebsneuerkrankungen sind nicht heilbar und benötigen eine schmerztherapeutische Behandlung. Entsprechende Einrichtungen sind verstärkt auch in Wilhelmshaven zu etablieren, so dass entfernt gelegene Hospize (Oldenburg, Jever) nicht in Anspruch genommen werden müssen.

Lebensrisiko Pflege würdig gestalten

Wenn die Selbstständigkeit der Lebensführung im Alter und damit die Menschenwürde erhalten bleiben soll, müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass dies auch bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit so bleibt. Menschenwürdige Pflege ist aber nicht nur ein Thema für die ältere Generation. In unserem Land ist die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen fünfundsechzig und neunundsechzig Jahren genauso hoch wie die Zahl der unter zwanzigjährigen Betroffenen. Pflegebedürftigkeit kann jeden von uns plötzlich treffen, unabhängig vom Alter. Im eigenen Zuständigkeitsbereich werden wir die Umlagefinanzierung wieder einführen. Wir möchten keine Privatisierung des Pflegefallrisikos mit Kopfpauschalen, sondern die Beibehaltung des im deutschen Sozialver-
sicherungssystem bewährten Versicherungsprinzips und ein Ausgleich zwischen gesetzlicher und privater Versicherung. Unser Vorschlag ist hier die solidarische Bürgerversicherung. Menschen müssen in den eigenen vier Wänden leben können, wenn sie dieses wollen. Ambulante Pflegedienste leisten dazu einen zentralen Beitrag. Dazu gehört aber auch die Sicherstellung von entsprechenden Hilfe-, Betreuungs-, Infrastruktur- und Kommunikationseinrichtungen zur sozialen Integration. Die Entwicklung neuer Pflegeformen und Wohnkonzepte, die Stärkung von betreutem Wohnen, Wohngemeinschaften und Servicehäusern sind weitere zukünftige Herausforderungen. Diese Herausforderungen werden wir annehmen. Zugleich wird die neue SPD – Landesregierung die Streichung von Landesmitteln für die stationäre Altenpflege zurücknehmen.

Bedarfsgerechte Altenpflegeausbildung

Im Bereich der Altenpflegeausbildung fehlen Praxisplätze, die ambulanten Pflegedienste bilden weitgehend gar nicht aus. Die Zahl der pflegebedürftigen Personen wird bis zum Jahre 2020 auch in Wilhelmshaven zunehmen. Ohne eine entsprechende Zahl ausgebildeter Pflegefachkräfte droht ein Pflegenotstand. Die neue SPD-Landesregierung wird auf der Basis des Landespflegeberichtes ein Handlungskonzept erarbeiten, um so einen Pflegenotstand in Niedersachsen zu verhindern.

Hilfe im Pflegefall

Beim plötzlichen Eintritt eines Pflegebedarfs stehen Betroffene und Angehörige häufig hilflos der eingetretenen Situation gegenüber. Hier muss professionelle Hilfe organisiert werden, um das sinnvollste Hilfeangebot zu finden. Im Rahmen eines Modellprojektes werden wir die trägerunabhängige Beratung in der Altenpflege erproben. Im Bereich der Altenpflege ist Niedersachsen bundesweit das Schlusslicht. Wir werden uns sich dafür einsetzen, dass im Bereich der Forschung, Früherkennung, Behandlung sowie Pflege von Demenzerkrankungen Geld investiert wird, um im Pflegefall hochbetagten Menschen helfen zu können. Bei der Ausbildung von medizinischem und pflegerischem Fachpersonal muss die Kenntnis über Demenzerkrankungen einen größeren Raum  einnehmen. Qualifizierte Pflege kostet Geld und sie benötigt ausreichend und gut ausgebildete sowie
anständig bezahlte Kräfte. Der Marsch in die Billigpflege muss gestoppt werden. In diesem Zusammenhang begrüßt die Wilhelmshavener SPD die Zusammenarbeit der Pflegeeinrichtungen.